Siebzig Jahre Fortschritt

70 Jahre Fortschritt

8. Juli 2026

5 Min

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Innovation

OMV wurde 1956 mit dem Auftrag gegründet, Österreich sicher mit Energie zu versorgen. Seit 70 Jahren entwickeln wir uns kontinuierlich weiter, um auf wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen reagieren zu können. Heute, zu Beginn unseres achten Jahrzehnts, konzentrieren wir uns darauf, die Energiewende aktiv mitzugestalten. 

Als die Österreichische Mineralölverwaltung Aktiengesellschaft – heute OMV – am 3. Juli 1956 gegründet wurde, war ihr Auftrag klar: die Energie für den Wiederaufbau Österreichs bereitzustellen. Sieben Jahrzehnte später beschäftigt OMV weltweit rund 22.300 Mitarbeitende und erzielte 2025 einen Umsatz von rund EUR 24 Milliarden. Seit den Anfangsjahren haben wir uns tiefgreifend gewandelt: vom traditionellen Öl- und Gaskonzern zum Innovationsführer in den Geschäftsfeldern Kreislaufwirtschaft, neue Technologien und alternative Energiequellen.  

Alfred Stern

Vor 70 Jahren wurde OMV mit einer klaren Mission gegründet: Österreich sicher mit Energie zu versorgen und durch heimische Produktion Wertschöpfung im eigenen Land zu schaffen.

Alfred Stern

OMV Vorstandsvorsitzender & Chief Executive Officer (CEO)

„Heute befinden wir uns mitten in der größten Transformation unserer Geschichte.“ Mit der Strategie 2030 hat OMV die umfassendste strategische Neuausrichtung ihrer Unternehmensgeschichte eingeleitet. Sie weist den Weg zu einem integrierten Unternehmen für nachhaltige Energie, Kraftstoffe und Chemikalien und unterstützt das Ziel, bis 2050 klimaneutral zu wirtschaften.  

„Wir denken nicht linear sondern in Kreisläufen, meiden Alleingänge und pflegen gute Partnerschaften und bekämpfen Stillstand mit Innovation“, so Stern. Investitionen in neue Technologien und Geschäftsmodelle sowie in ein zukunftsfähiges Energiesystem sind Teil dieser Strategie.

Fortschritte in der Geothermie

Ein Beispiel für unsere Transformation ist der Einstieg in die Geothermie. 2023 gründeten OMV und Wien Energie das Joint Venture "deeep" mit dem Ziel, Tiefengeothermie für das Wiener Fernwärmenetz nutzbar zu machen. Geplant ist, bis zu sieben Tiefengeothermieanlagen mit einer Gesamtleistung von 200 Megawatt zu bauen – genug, um künftig rund 200.000 Haushalte mit Wärme zu versorgen.  


Die erste Anlage entsteht gerade in Aspern im 22. Wiener Bezirk. Die Tiefbohrungen wurden 2025 erfolgreich abgeschlossen und die Anlage soll ab 2029 rund 25.000 Haushalte mit Wärme versorgen. OMV schöpft dabei aus jahrzehntelangen geologischen, bergmännischen und technischen Erfahrungen. Godfrid Wessely, der 1959 zur OMV kam und die geologische Abteilung leitete, blickt zurück: „Wir suchten von Anfang an nicht nur nach Kohlenwasserstoffen, sondern erstellten auch das geologische Koordinatensystem, das heute für die Nutzung geothermischer Energie von entscheidender Bedeutung ist." Die Daten, die Wessely und seine Kolleg:innen über Jahrzehnte sammelten, bilden heute die Grundlage für unsere geothermische Forschung und Exploration.  


Kunststoffkreisläufe schließen

Ein weiterer strategischer Fokus liegt auf der Kreislaufwirtschaft. Dabei geht es vor allem um die Lösung eines der drängendsten Probleme unserer Zeit: Was tun mit Kunststoffabfällen, die sich nicht mechanisch recyceln lassen? Unsere Antwort darauf ist ReOil®, eine chemische Recycling-Technologie, die in der Raffinerie Schwechat entwickelt wurde. Dabei werden schwer recycelbare Kunststoffe in synthetische Öle umgewandelt, die sich als Rohstoffe für die Herstellung neuer Kunststoffe eignen. Mit diesem Ansatz werden konventionelle Recyclingmethoden ergänzt und vor allem solche Altkunststoffe verwertet, die andernfalls auf Deponien oder in der Müllverbrennung landen würden.  

Gemeinsam mit dem Kunststoff-Recyclingunternehmen Interzero bauen wir im deutschen Walldürn eine der größten Sortieranlagen für gemischte Kunststoffabfälle in Europa. Die Anlage soll noch 2026 in Betrieb gehen und die industrielle Anwendung von Kreislauflösungen entscheidend vorantreiben. Mit der Gründung des Joint Ventures Borouge International im März 2026 haben wir zudem unsere Position im Chemiesektor gestärkt. Ziel ist es, OMV in den entscheidenden Sektoren zukunftsfähig aufzustellen.


Nachhaltige Impulse für die Luftfahrt

Die Dekarbonisierung der Luftfahrt zählt zu den größten Herausforderungen für die Energiewende. Elektrische Antriebe und Wasserstofftechnologien sind für die kommerzielle Luftfahrt noch nicht in großem Maßstab einsatzfähig. Nachhaltige Flugtreibstoffe (Sustainable Aviation Fuels, SAF) gewinnen deshalb zunehmend an Bedeutung. OMV produziert bereits seit 2022 SAF in der Raffinerie Schwechat. Verglichen mit fossilem Kerosin sind die CO2-Emissionen von SAF deutlich niedriger, und moderne Flugzeuge können ohne technische Anpassungen problemlos damit betankt werden. Um die Produktion auszuweiten, investieren wir derzeit in neue Anlagen an unserem rumänischen Standort Petrobrazi. Damit schaffen wir die Voraussetzungen, um die steigenden europäischen Beimischungsquoten für SAF in den kommenden Jahren zu erfüllen.

Versorgungssicherheit

Eine erfolgreiche Energiewende braucht eine sichere und verlässliche Energieversorgung. Erdgas spielt dabei eine wichtige Rolle. Im Mai 2026 hat OMV mit der Produktion im niederösterreichischen Wittau begonnen, dem größten Erdgasfund Österreichs seit 40 Jahren. Ein weiteres Schlüsselprojekt ist Neptun Deep im Schwarzen Meer. Beide Vorhaben stärken die europäische Energieversorgung und unterstützen das Ziel, die Abhängigkeit von russischen Gasimporten weiter zu verringern. Mit dem Rückzug aus dem russischen Markt nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine hat OMV diesen Kurs konsequent mitgetragen. Denn die Energiewende kann nur gelingen, wenn sie auf einer sicheren und resilienten Energieversorgung gründet. 

Innovationen im industriellen Maßstab


Ob Geothermie, Kreislaufwirtschaft oder SAF – viele unserer Zukunftsprojekte bauen auf technischen Innovationen auf. Mit dem geplanten Innovation Hub in Schwechat wollen wir neue Technologien schneller von der Pilotphase in den industriellen Maßstab überführen. Das mit EUR 65 Millionen finanzierte Forschungszentrum soll neue Technologien rasch skalieren und ihre Einbindung in bestehende industrielle Wertschöpfungsketten erleichtern – aktuell eine der drängendsten Herausforderungen in der europäischen Wirtschaft. 

Im Jahr 2025 hat die größte Anlage zur Erzeugung von grünem Wasserstoff in Österreich den Betrieb aufgenommen. OMV entwickelt sich damit konsequent von einem reinen Öl- und Gaskonzern zu einem Anbieter diversifizierter Energielösungen. Grüner Wasserstoff gilt als wichtige Energiequelle der Zukunft und kann dazu beitragen, industrielle Prozesse zu dekarbonisieren, für die es derzeit keine alternativen Methoden gibt. Wir sind überzeugt: Die Technologien von morgen müssen heute entwickelt, erprobt und im industriellen Maßstab umgesetzt werden.  

Für Samantha Stadlober, die vor rund 18 Monaten ihre Ausbildung bei OMV begonnen hat, sind die Veränderungen bereits spürbar. „Es ist offensichtlich, dass sich die Branche in einem tiefgreifenden Wandel befindet“, so Stadlober. „OMV verfolgt ehrgeizige Klimaziele und arbeitet intensiv daran, alle Anlagen und Prozesse entsprechend weiterzuentwickeln. … Ich glaube, dass die Digitalisierung, Effizienzgewinne und nachhaltige Technologien in Zukunft eine noch größere Rolle spielen werden.“    

Die kommenden 70 Jahre 

Siebzig Jahre nach seiner Gründung blickt OMV auf eine Geschichte des Wandels zurück. Wir haben uns immer wieder neu erfunden, um den Anforderungen der Zeit gerecht zu werden. Projekte wie die Raffinerie Schwechat oder die Trans-Austria-Gasleitung (TAG) haben die Energieversorgung über Jahrzehnte geprägt. Die kommenden 70 Jahre beginnen mit neuen Ideen und Technologien: Geothermie in Wien, Kreislaufwirtschaft in Walldürn, nachhaltige Kraftstoffe in Petrobrazi und grüner Wasserstoff in Schwechat. Diese Transformation ist, wie es Stern treffend ausdrückte, die größte in unserer Geschichte.