Klimaneutralität schneller erreichen – dank KI

OMV Employees with industrial background

14. Apr. 2026

5 Min

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Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt sich im Energiesektor zu einem entscheidenden Innovationstreiber: Sie verbindet Menschen und Daten und verbessert Entscheidungsprozesse. Vor allem hilft sie uns dabei, unsere Klimaziele in konkrete Maßnahmen zu übersetzen.

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos Anfang 2026 bezeichneten viele Führungspersönlichkeiten moderne KI-Technologien als „strategische Wegbereiter für eine saubere und effiziente Energieerzeugung. Dem stimmen wir zu: In der Praxis zeigt sich bereits heute, wie KI uns auf dem Weg zur Klimaneutralität bis 2050 unterstützt.

Ein Beispiel dafür ist unser KI-Pilot in Norwegen: Dort unterstützen wir ein Projekt der Stanford University und des Tech-Start-ups TerraAI, um Entscheidungsprozesse, Effizienz und Sicherheit unserer Carbon Capture and Storage (CCS)-Initiativen zu verbessern.

Wenn Unsicherheit zum Alltag gehört

Der Untergrund hat die Energiebranche schon immer vor große Herausforderungen gestellt. Egal ob beim Bohren nach Öl und Gas und im Bergbau, oder bei emissionsarmen Technologien wie der Geothermie und CCS – unter der Erde kommt es entscheidend auf die Kartierung und Planung an.

Thorsten Clemens
„Wenn man in Tiefen von bis zu 3.000 Metern unter der Erde arbeitet, ist Unsicherheit ein ständiger Begleiter“, erklärt Torsten Clemens, Senior Reservoir Engineering Adviser bei OMV. „Man weiß nie alles und muss dennoch richtungsweisende Entscheidungen für das Projekt treffen.”

Torsten Clemens

Unvollständige Informationen sind bei Untergrundprojekten die Regel. Ingenieur:innen und Geowissenschaftler:innen müssen trotzdem weitreichende Entscheidungen treffen – oft Jahre vor der Inbetriebnahme.

Clemens ergänzt:

„OMV entwickelt sich zunehmend von der klassischen Öl- und Gasexploration hin zu Geothermie und CO2-Speicherung. Die Unsicherheit bleibt jedoch bestehen und nimmt sogar noch zu. Es handelt sich um langfristige Projekte, bei denen zwischen der ersten Idee und der Inbetriebnahme bis zu zehn Jahre vergehen können. Entscheidungen in frühen Projektphasen wirken sich oft über Jahrzehnte hinweg auf Sicherheit, Leistungsfähigkeit und Wertschöpfung aus.“

Um mit der Energiewende Schritt zu halten, müssen CO2-arme Lösungen jedoch schnell und im industriellen Maßstab umgesetzt werden. Dafür braucht es neue Technologien – und intelligentere Arbeitsweisen.

Hier kommt künstliche Intelligenz ins Spiel.

1.000 Mal schneller

Die Technologie, die OMV in seinem Pilotprojekt in Norwegen testet, ist keine generative, sondern eine analytische, agentenbasierte KI. Sie wurde gezielt entwickelt, um in komplexen technischen Umgebungen bessere Entscheidungen treffen zu können.

„Dabei handelt es sich nicht um eine KI, die Texte schreibt oder Bilder generiert. Stattdessen arbeitet sie analytisch und nutzt Entscheidungsalgorithmen, die reale Daten und Unsicherheiten einbeziehen, um die bestmöglichen Handlungsoptionen aufzuzeigen“, sagt Clemens.

OMV unterstützt die Forschungsarbeit der Stanford University seit Jahren. Das Projekt wurde im Rahmen dieser Kooperation entwickelt und von TerraAI umgesetzt. Die KI nutzt moderne entscheidungstheoretische und geostatistische Verfahren, um Millionen mögliche Feldentwicklungsszenarien durchzuspielen. Auf Grundlage von seismischen Daten, geologischen Modellen und Bohrlochinformationen empfiehlt sie optimale Vorgehensweisen bei Bohrung, CO2-Injektion und Kontrolle.

„Ich vergleiche es manchmal mit Schach“, erklärt Clemens. „Beim Schachspiel hat man jedoch das gesamte Spielfeld im Blick – unter der Erde ist das nicht möglich. Die KI kann hingegen unterschiedliche Szenarien durchspielen, verschiedene Optionen testen und daraus lernen, welche Entscheidungen Risiken reduzieren und die Wertschöpfung steigern.“   

Mithilfe von Simulationen, die bis zu 1.000 Mal schneller laufen als herkömmliche Tools, erzielt das System in wenigen Stunden Ergebnisse, für die früher Wochen oder sogar Monate erforderlich waren. So kommen unsere Teams deutlich schneller voran, ohne Kompromisse bei Qualität und Sicherheit einzugehen.

„Heute treffen wir Entscheidungen innerhalb weniger Stunden, für die wir früher Wochen oder Monate benötigt haben – und das nicht mit geringerer Präzision, sondern im Gegenteil: Wir können deutlich mehr Optionen analysieren, bevor wir eine Entscheidung treffen“, so Clemens. 

Niedrigeres Risiko, höhere Wertschöpfung 

Die Vorteile sind bereits jetzt offensichtlich. Erste interne Projektergebnisse belegen: 

  • Steigerung des Projektwerts um 25 %
  • Senkung der quantifizierten Untergrundrisiken um rund 50%
  • deutlich verkürzte Entwicklungszeiten

Besonders stark wirken sich diese Verbesserungen auf CCS-Projekte aus, die höchste Sicherheitsanforderungen erfüllen müssen und das Vertrauen von Behörden erfordern. 

„Dank KI können wir Risiken bereits in der Entwurfsphase berücksichtigen“, erklärt Clemens. „Injektionsraten, Bohrpfade und Überwachungsstrategien optimieren wir gezielt im Hinblick auf maximale Sicherheit.“

Dabei entfaltet KI ihr volles Potenzial: Durch komplexe Simulationen und extrem schnelle Berechnungen unterstützt sie menschliche Entscheidungen und verbessert deren Qualität nachhaltig.

Diskussionspartnerin statt Entscheidungsträgerin

KI-Technologien sollten Menschen befähigen, nicht ersetzen. Darin waren sich auch viele Teilnehmende in Davos einig. In diesem Projekt behalten Ingenieur:innen und Geowissenschaftler:innen jederzeit die volle Kontrolle. 

„Anfangs waren einige Kolleg:innen skeptisch“, sagt Clemens. „Doch schnell wurde die KI nicht als Entscheidungsträgerin, sondern als Diskussionspartnerin wahrgenommen. Entscheidend ist dabei die Transparenz: Unsere Expert:innen können die Entscheidungsgrundlagen der KI nachvollziehen, hinterfragen und daraus lernen. So entsteht Vertrauen statt einer Black Box.“  

Das System entwickelt unterschiedliche Szenarien und schlägt mögliche Abwägungen vor. Unsere Expert:innen prüfen die zugrundeliegenden Annahmen, passen Variablen an und validieren die Ergebnisse im Rahmen bewährter technischer Prüf- und Governance-Verfahren von OMV.  

Dabei legt der KI-Agent seine Arbeitsweise stets offen. Seine Überlegungen sind nachvollziehbar, überprüfbar und können kritisch hinterfragt werden, bevor praxisrelevante Entscheidungen getroffen werden.  

Gleichzeitig reduziert die Zusammenarbeit mit der KI den Aufwand für zeitintensive Datensuche. Die gewonnene Zeit können unsere Expert:innen gezielt für wertschöpfendere Aufgaben nutzen.

Gemeinsam die Energiewende beschleunigen

Die Energiewende lässt sich nicht im Alleingang bewältigen.

Mit starken Partnerschaften setzt OMV ein klares Zeichen für die Skalierung klimaneutraler Technologien: Über einen Zeitraum von sechs Jahren investieren wir rund USD 4,5 Millionen in die KI-Forschung an der Stanford University. Dadurch ermöglichen wir führenden Wissenschaftler:innen, sich intensiv mit Untergrundmodellierung, Entscheidungstheorie und der Entwicklung sicherer KI zu befassen. Das aus der Forschung hervorgegangene Start-up TerraAI überführt diese Erkenntnisse in praxisnahe industrielle Anwendungen.

„Wir verbinden wissenschaftliche Forschung mit dem agilen Mindset eines Start-ups und unserer eigenen operativen Erfahrung, um schneller Fortschritte zu erzielen“, erklärt Clemens. „Geschwindigkeit ist absolut entscheidend, wenn wir CO2-arme Lösungen im großen Maßstab umsetzen wollen. 

Der Schwerpunkt des Pilotprojekts liegt derzeit auf CCS in Norwegen. Die zugrunde liegende Technologie ist jedoch skalierbar und lässt sich auch auf weitere OMV Initiativen zur CO2-Reduktion übertragen – von der Geothermie bis hin zu anderen Untergrundprojekten.

„Je schneller und verlässlicher wir Entscheidungen treffen, desto mehr Projekte können wir umsetzen“, sagt Clemens. „Das ist entscheidend, um unsere Klimaziele zu erreichen.“ 

Mit jeder Anwendung lernen die KI-Agenten dazu. Je länger sie im Einsatz sind, desto einfacher wird ihr projektübergreifender Einsatz. Sie helfen dabei, Risiken und Chancen über verschiedene Anlagen hinweg auszubalancieren – und schaffen so die Grundlage für eine deutlich höhere Wertschöpfung.

Für Clemens hat der verstärkte Einsatz dieser Technologie weitreichende Folgen: „Wir betrachten nicht mehr nur einzelne Anlagen, sondern unser gesamtes Portfolio. Die zentrale Frage lautet: Welches Projekt bringt uns auf dem Weg zur Klimaneutralität mit möglichst geringem Risiko und gleichzeitig hoher Wertschöpfung voran?“

KI als Katalysator für den Wandel

KI wird weder unsere Ingenieur:innen ersetzen, noch sämtliche Unsicherheiten im Untergrund beseitigen. Verantwortungsvoll eingesetzt, kann sie jedoch Entscheidungsprozesse grundlegend verändern.  

Bei OMV steht KI für eine intelligente Energiezukunft: Sie unterstützt die fachübergreifende Zusammenarbeit und beschleunigt die Umsetzung CO2-armer Lösungen.

„KI hilft uns, Unsicherheiten souveräner zu begegnen“, so Clemens. „Für eine erfolgreiche Energiewende brauchen wir genau diese Kombination aus Zuversicht, Daten und Fachwissen, um schneller, smarter und sicherer voranzukommen.“