Sorin Ivanovici, Senior Advisor Synthetic Transformation, und Günther Wagner, Advisor Business Portfolio Transformation, erklären die Technologie und ihre Bedeutung für die Energiewende.
eMethanol wird aus Wasserstoff und CO2 aus biogenen Quellen, wie etwa der Biogasproduktion, hergestellt. Je nach Anwendung bietet es die Möglichkeit, fossiles Methanol bei der Kraftstoffproduktion zu ersetzen und die Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus zu reduzieren. Die OMV Experten erklären, wie eMethanol funktioniert, wo es heute in Deutschland zum Einsatz kommt und welche Rolle es für die Entwicklung synthetischer Kraftstoffe spielt.
Auf einen Blick
- eMethanol wird hergestellt, indem mittels Strom Wasserstoff erzeugt wird, der anschließend mit CO2 aus biogenen Quellen, beispielsweise aus der Biograsproduktion, kombiniert wird.
- Wir beziehen eMethanol von Solar Park Kassø ApS (SPK) in Dänemark und verwenden es für die Herstellung von Fatty Acid Methyl Ester (FAME), einer Kraftstoffkomponente für den gewerblichen Straßenverkehr in Deutschland.
- Damit schaffen wir unseren Einstieg in den deutschen Markt für synthetische Kraftstoffe. Unser Ziel ist der Aufbau einer robusten Wertschöpfungskette – von der Produktion und Zertifizierung über Logistik und Raffination bis hin zur Kundennachfrage.
Für den gewerblichen Straßentransport mag sich der Kraftstoff im Tank zunächst nicht von anderen unterscheiden. Einen Unterschied können jedoch die eingesetzten Rohstoffe und deren Herstellung machen. Im Fall von eMethanol wird Wasserstoff mithilfe von Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugt und anschließend mit CO2 aus biogenen Quellen, beispielsweise aus der Biogasproduktion, kombiniert. In dieser Anwendung kann dies im Vergleich zur Verwendung von fossilem Methanol zu geringeren Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus beitragen.
Genau hier kommt eMethanol ins Spiel.
Am 14. Juli 2026 haben wir unsere erste Lieferung eMethanol von Solar Park Kassø ApS (SPK) in Dänemark erhalten. Wir integrieren es in die Herstellung von Biodiesel (Fatty Acid Methyl Ester FAME) für den gewerblichen Straßenverkehr in Deutschland. Damit haben wir unseren ersten Schritt in den deutschen Markt für synthetische Kraftstoffe gemacht – wenige Wochen nach der Umsetzung der überarbeiteten Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED III) in Deutschland.
In der aktuellen Anwendung kommt eMethanol anstelle des fossilen Methanols zum Einsatz, das normalerweise bei der Biodieselproduktion verwendet wird. Anstatt den Kraftstoff selbst zu verändern, wird es im Produktionsprozess als Alternative zu fossilem Methanol verwendet.
In dieser frühen Phase geht es uns vor allem darum, praktische Erfahrungen mit der Vermarktung synthetischer Kraftstoffe zu sammeln. Dazu wollen wir die einzelnen Schritte miteinander verbinden – von der Herstellung und RFNBO Zertifizierung über Logistik und Raffination bis hin zur Kundennachfrage.
Deshalb haben wir mit Sorin Ivanovici, Senior Advisor Synthetic Transformation, und Günther Wagner, Advisor Business Portfolio Transformation, über eMethanol gesprochen. Sie erklären, was hinter eMethanol steckt, wie es hergestellt wird und welche Rolle er künftig innerhalb der Kraftstoff-Wertschöpfungskette spielen könnte. Denn auch wenn eMethanol derzeit noch einen vergleichsweise kleinen Teil dieser Wertschöpfungskette ausmacht, könnte es dazu beitragen, verschiedene ihrer Glieder miteinander zu verbinden.
Was ist eMethanol?
Ivanovici: Am besten lässt sich eMethanol damit erklären, wie es gewonnen wird: aus CO2 und Wasserstoff. Das CO2 kann aus der Atmosphäre oder aus einer biogenen Quelle, wie beispielsweise Biogas, stammen. Der Wasserstoff wird durch Wasserelektrolyse erzeugt, wobei ausschließlich erneuerbare Energien zum Einsatz kommen.
In einem chemischen Prozess wird aus beiden Elementen schließlich eMethanol gewonnen. Damit versuchen wir einen Prozess nachzuahmen, der in der Natur ohnehin stattfindet, nutzen aber Chemie und erneuerbare Energien für eine alternative Lösung. Aktuell wird aus dem eMethanol eine Komponente für Biodiesel hergestellt, die fossiles, aus Erdgas hergestelltes Methanol ersetzt.
Wagner: Der wesentliche Unterschied liegt in den Ausgangsstoffen: Bei biologischen Rohstoffen werden in der Regel Öle oder andere biogene Rohstoffe zu Kraftstoffen weiterverarbeitet. Bei synthetischen Verfahren dienen dagegen Wasserstoff und CO2 als Ausgangsstoffe. Mithilfe chemischer Prozesse lassen sich daraus verschiedene Produkte herstellen.
Wie sieht das in der Praxis aus?
Ivanovici: Aktuell ersetzen wir einen fossilen Treibstoffanteil durch einen synthetischen. Der Biodiesel, mit dem wir arbeiten, wird normalerweise aus biobasierten Ölen und Methanol hergestellt. Das verwendete Methanol ist meist fossilen Ursprungs. Wir setzen stattdessen synthetisches Methanol ein.
Unser Endprodukt besteht weiterhin vorwiegend aus biobasierten Rohstoffen. In der Produktion wird allerdings ein fossiler Rohstoff durch einen synthetischen ersetzt. Dadurch können die Treibhausgasemissionen, über den gesamten Lebenszyklus hinweg, im Vergleich zu fossilem Methanol, je nach Produktionsweg und Anwendung niedriger ausfallen. Das Endprodukt ist nicht vollständig synthetisch, doch da der Einsatz von fossilem Methanol vermieden wird, kann sich die Klimabilanz insgesamt verbessern.
Die hier gemeinte Komponente für Biodiesel ist Fatty Acid Methyl Ester (FAME) – in Europa eine gängige Form von Biodiesel. Sie wird aus Pflanzenölen oder Altfetten unter Verwendung von Methanol hergestellt.
Woher kommt das eMethanol und wie wird es hergestellt?
Wagner: Der Herstellungsprozess startet mit CO2 aus biogenen Quellen und erneuerbarem Strom. Das CO2 stammt von einem Biogasproduzenten in der Nähe und entsteht dort als Nebenprodukt. In Kassø wird erneuerbarer Strom zur Erzeugung von Wasserstoff genutzt. Anschließend werden der Wasserstoff und das abgeschiedene CO2 in einem chemischen Umwandlungsprozess zu eMethanol weiterverarbeitet.
Wir beziehen das eMethanol von Solar Park Kassø ApS (SPK), einem Joint Venture zwischen European Energy und Mitsui. European Energy ist auf erneuerbare Energien spezialisiert, während Mitsui sich auf den globalen Handel, die Logistik und Methanol fokussiert.
Was passiert, nachdem das eMethanol bei OMV angekommen ist?
Ivanovici: Wir fügen es in unsere Wertschöpfungskette für Kraftstoffe ein. Es geht an Biodieselhersteller, die in der Produktion fossiles Methanol durch eMethanol ersetzen. Der auf diese Weise hergestellte Biodiesel wird dann dem herkömmlichen Diesel beigemischt und an Gewerbekund:innen im Straßenverkehrssektor geliefert.
Die Fahrer:innen tanken eMethanol nicht direkt. Es kommt vielmehr in einem vorgelagerten Produktionsprozess anstelle von fossilem Methanol zum Einsatz und kann so dazu beitragen, die Emissionen des Biodiesels über den gesamten Produktzyklus hinweg zu reduzieren.
Warum Deutschland und was hat RED III damit zu tun?
Ivanovici: RED III verpflichtet Kraftstoffhersteller nachzuweisen, dass ein bestimmter Anteil der Kraftstoffe in ihrem Portfolio garantiert erneuerbaren Ursprungs ist. Dazu gehören auch erneuerbare Kraftstoffe nicht-biologischen Ursprungs (Renewable Fuels of Non-Biological Origin, RFNBOs). Deutschland hat ab 2026 verbindliche RFNBO-Mengen eingeführt und damit einen regulatorischen Rahmen sowie Marktchancen für Produkte wie eMethanol geschaffen.
Deutschland hat die RED-III-Richtlinie bereits umgesetzt. Der Einsatz von eMethanol unterstützt uns dabei, die darin vorgegebenen Ziele zu erreichen.
Nachweisen lässt sich das mit RFNBO-Zertifikaten. Sie dokumentieren den Anteil an garantiert erneuerbaren Rohstoffen sowie die eingesparten Emissionen über den gesamten Produktionsprozess. Als Kraftstoffhersteller können wir so gegenüber den Aufsichtsbehörden nachweisen, wie hoch der RFNBO-Anteil in unseren Kraftstoffen ist. Die Zertifikate bleiben mit dem physischen Produkt verknüpft und dienen nicht als separater Nachweis.
Was bedeutet der erste Markteintritt in Deutschland für eventuelle Pläne, synthetische Kraftstoffe auch in anderen Ländern zu vertreiben?
Wagner: Wir sind mit einer Anwendung gestartet, die heute schon funktioniert. Doch eMethanol eignet sich zum Beispiel auch als Rohstoff für synthetischen Flugtreibstoff, also eSAF – ein synthetisches Molekül dient dabei als Ausgangspunkt für ein anderes. Die Erfahrungen, die wir heute mit eMethanol sammeln, werden uns bei unserem nächsten Schritt unterstützen.
Ivanovici: Für mich ist das nur ein Teil eines viel größeren Puzzles. Wir bauen Kapazitäten für erneuerbaren Wasserstoff auf, arbeiten eng mit Partnern entlang der gesamten Wertschöpfungskette zusammen und prüfen, ob und wie sich eMethanol irgendwann zu Produkten wie Flugtreibstoffen und chemischen Rohstoffen weiterverarbeiten lässt. Dabei sind wir nicht unbedingt immer an den gleichen Stellen der Wertschöpfungskette aktiv. In einigen Fällen produzieren wir die Moleküle selbst, in anderen arbeiten wir mit Partnern zusammen und bringen unser Fachwissen ein.
Verschiedene Industrien gehen unterschiedliche Wege: In Sektoren, die sich nur schwer elektrifizieren lassen – wie beispielsweise in der Luftfahrt und der Chemieindustrie – kann eMethanol als Zwischenprodukt in Wertschöpfungsketten zum Einsatz kommen, die auf erneuerbarem Strom und abgetrenntem CO2 basieren.
Wir als OMV wollen eine Schlüsselrolle im Bereich synthetischer Kraftstoffe in Europa einnehmen und die nötige Infrastruktur mit aufbauen. Indem wir eMethanol heute auf den Markt bringen, gewinnen wir Erfahrung in den Bereichen Beschaffung, Zertifizierung, Logistik und Kundenbeziehungen, die für die industrielle Herstellung synthetischer Kraftstoffe erforderlich sind. Partnerschaften wie die mit Kassø tragen außerdem dazu bei, eine robuste Wertschöpfungskette für erneuerbare Kraftstoffe aufzubauen, und legen den Grundstein für zukünftige Anwendungen, darunter auch eSAF.
