Synthetische Kraftstoffe können dazu beitragen, Emissionen in Industrien zu senken, in denen eine Dekarbonisierung besonders anspruchsvoll ist. Erfahren Sie, wie sie hergestellt werden, worin sie sich von anderen Kraftstoffen unterscheiden und welchen Beitrag OMV dazu leistet, sie für den praktischen Einsatz weiterzuentwickeln.
Auf einen Blick
- Synthetische Kraftstoffe werden durch die Verbindung von abgeschiedenem biogenen CO2 mit grünem Wasserstoff hergestellt. Bei der Wasserstoffproduktion werden erneuerbare Energien eingesetzt.
- Sie ergänzen Energielösungen, die auf Elektrifizierung und Biokraftstoffe setzen. Denn vor allem in der Luftfahrt und in der chemischen Industrie werden weiterhin flüssige Kraftstoffe und kohlenstoffbasierte Rohstoffe benötigt.
- Kraftstoffhersteller und -lieferanten können mithilfe von synthetischen Kraftstoffen die Anforderungen zur Beimischung von erneuerbaren Kraftstoffen gemäß RED III erfüllen. In Deutschland sind entsprechende Vorschriften bereits in Kraft.
- Der Markt für synthetische Kraftstoffe entwickelt sich dynamisch. Derzeit werden meist noch fossile Kraftstoffkomponenten durch synthetische ersetzt. In Zukunft sollen jedoch zunehmend komplett synthetische Flugkraftstoffe (eSAF) zum Einsatz kommen.
- OMV bezieht eMethanol aus Kassø in Dänemark. Ziel ist es, den eigenen Marktzugang auszubauen, Erfahrungen mit der Zertifizierung zu sammeln und Partnerschaften zu schließen, um rasch in diesem Geschäft zu expandieren.
Von Flugzeugen bis hin zu Lkws: Die Kraftstoffe der meisten Verkehrsmittel setzen sich heute unter anderem aus den beiden Elementen Wasserstoff und Kohlenstoff zusammen.
Für synthetische Kraftstoffe lassen sich diese Moleküle jedoch auf andere Art und Weise herstellen, wodurch sich die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen reduziert. Wir können aus grünem Wasserstoff, CO₂ aus biogenen Quellen wie zum Beispiel der Biogasproduktion und erneuerbaren Energiequellen alternative Kraft- und Rohstoffe gewinnen — zusätzlich zur Elektrifizierung und zum Einsatz von Biokraftstoffen. Synthetische Kraftstoffe sind daher eine tragfähige Alternative zu fossilen Rohstoffen. Noch steht die Marktentwicklung am Anfang, doch einige synthetische Kraftstoffe haben sich bereits in der Praxis bewährt.
Wann kann man also von einem synthetischen Kraftstoff sprechen und wo lohnt sich dessen Einsatz am meisten?
Woraus werden synthetische Kraftstoffe hergestellt?
Laut Sorin Ivanovici, Senior Advisor Synthetic Transformation, geht es bei diesem Verfahren vor allem darum, „die Natur nachzuahmen“. Pflanzen nutzen Sonnenlicht, Wasser und CO2, um Biomasse zu bilden. Ähnlich ist es bei der Herstellung synthetischer Kraftstoffe: Erneuerbare Energien, Wasserstoff und abgeschiedenes CO2 werden so kombiniert, dass sich Energieträger und chemische Vorprodukte bilden. Das CO2 kann aus der Atmosphäre oder aus einer biogenen Quelle stammen. Da erneuerbare Energien und abgeschiedenes CO2 verwendet werden, lassen sich die Emissionen über den gesamten Lebenszyklus hinweg deutlich reduzieren.
Worin liegt der wesentliche Unterschied zwischen synthetischen Kraftstoffen und Biokraftstoffen? Deutlich wird das mit einem Blick auf die Produktionswege:
| Kraftstoffpfad | Ausgangspunkt |
| Fossile Brennstoffe | Fossile Ressourcen |
| Biokraftstoffe | Pflanzenöle und -reste sowie andere biologische Grundstoffe |
| Synthetische Kraftstoffe | Grüner Wasserstoff, CO₂ aus der Atmosphäre oder biologischen Quellen sowie erneuerbare Energien |
Bei Biokraftstoffen und synthetischen Kraftstoffen handelt es sich nicht um ein Entweder- oder, sondern um unterschiedliche Herstellungsverfahren für flüssige Kraftstoffe. Biokraftstoffe werden aus biologischen Rohstoffen gewonnen, darunter auch Rest- und Abfallstoffe. Synthetische Kraftstoffe entstehen dagegen mithilfe von Strom aus erneuerbaren Energien und chemischen Verfahren.
Synthetische Kraftstoffe bieten einen zusätzlichen Produktionsweg für Bereiche, die weiterhin auf flüssige Kraftstoffe oder kohlenstoffbasierte Rohstoffe angewiesen sind, darunter beispielsweise Luftfahrt, Transport und die Chemieindustrie.
Wie können synthetische Kraftstoffe aktuell genutzt werden?
Zunächst müssen tragfähige Geschäftsmodelle entwickelt werden. Das beginnt nicht zwangsläufig mit der Herstellung eines vollständig synthetischen Kraftstoffs. Viele Produktionsmethoden setzen einen Schritt davor an, indem nur ein fossiler Bestandteil im Herstellungsprozess ersetzt wird.
Derzeit lassen sich synthetische Bestandteile in bestehende Produktklassen einfügen. Unternehmen können so erste Erfahrungen sammeln und gleichzeitig herausfinden, wie sie synthetische Bestandteile am besten beschaffen, transportieren und in ihre Kraftstoffsysteme integrieren können.
Eine synthetische Komponente ist jedoch nicht dasselbe wie ein vollständig synthetischer Kraftstoff. eMethanol ist beispielsweise ein synthetisches Molekül, das zwar zur Herstellung von Kraftstoff verwendet wird, aber in seiner Reinform nicht einfach als Kraftstoff getankt werden kann.
Verschiedene synthetische Kraftstoffe und Bestandteile werden unterschiedlich eingesetzt. Zudem gelten jeweils eigene technische und regulatorische Anforderungen. In Deutschland verfolgt OMV bereits den Ansatz, synthetische Komponenten für die Herstellung von Endprodukten zu vermarkten.
Synthetische Kraftstoffe in der Praxis
Unser Ziel ist es, das Geschäft mit synthetischen Kraftstoffen weiter auszubauen. Deshalb vertreibt OMV in Deutschland eMethanol, das von Solar Park Kassø ApS (SPK) in Dänemark stammt. SPK ist ein Joint Venture zwischen European Energy und Mitsui.
Mit diesem Ansatz wollen wir unseren Marktzugang ausbauen, Erfahrungen mit der Zertifizierung sammeln und Partnerschaften entlang der Wertschöpfungskette schließen, um die Voraussetzungen für ein schnelles Wachstum zu schaffen.
Es bot sich an, dieses Geschäftsmodell zunächst in Deutschland umzusetzen, da die überarbeitete Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU (Renewable Energy Directive, RED III) dort bereits in Kraft getreten ist. Die Verordnung verpflichtet Kraftstoffhersteller, gesetzeskonforme Kraftstoffe in ihr Portfolio aufzunehmen, darunter auch erneuerbare Kraftstoffe nicht-biologischen Ursprungs (Renewable Fuels of Non-Biological Origin, RFNBOs). Letztere sind für das Wachstum synthetischer Kraftstoffe von entscheidender Bedeutung. In Deutschland gelten seit 2026 verbindliche RFNBO-Mengenvorgaben. Der Vertrieb von eMethanol als Kraftstoffkomponente hilft OMV, diese Anforderungen zu erfüllen.
Das eMethanol ersetzt Methanol aus fossilen Quellen und wird zur Herstellung einer Biodiesel-Komponente verwendet. Diese wird anschließend dem Diesel beigemischt und an gewerbliche Straßenverkehrskunden in Deutschland geliefert.
Für die Endkund:innen verändert sich nicht, was letztlich im Tank landet, sondern wie dieser Kraftstoff hergestellt wird. Durch den Ersatz eines fossilen Einsatzstoffs bei der Herstellung einer Biodieselkomponente kann diese Anwendung, je nach Produktionsweg und Anwendung, zu niedrigeren Treibhausgasemissionen über den Lebenszyklus beitragen als der Einsatz von fossilem Methanol.
Durch den Vertrieb von eMethanol sammeln wir außerdem praktische Erfahrungen mit der Beschaffung, Logistik, Infrastruktur und Markteinführung neuer Kraftstoffe — allesamt Kompetenzen, die für die Skalierung des Geschäfts mit synthetischen Kraftstoffen unverzichtbar sind.
Auf dem Weg zum synthetischen Flugkraftstoff (eSAF)
Synthetische Kraftstoffe eröffnen neue Möglichkeiten für die Luftfahrt. So kann eMethanol als Ausgangsstoff für synthetischen Flugkraftstoff (eSAF) dienen. Wir arbeiten außerdem daran, Methanol in Flugkraftstoff umzuwandeln. Dabei wird ein synthetisches Molekül als Ausgangsstoff für die Herstellung eines anderen genutzt.
Große Flugzeuge werden auch in Zukunft flüssigen Kraftstoff benötigen. Der Bedarf an synthetischen Molekülen zur Herstellung von eSAF wird somit steigen. Die Chancen stehen gut, dass eMethanol zu einem der wichtigsten Ausgangsstoffe hierfür wird.
Die Energiewende wird in den verschiedenen Industriezweigen auf unterschiedliche Weise vorangetrieben. Synthetische Kraftstoffe können dabei einen wichtigen Beitrag leisten. OMV entwickelt bereits heute praktische Anwendungen und schafft damit die Voraussetzungen dafür, dass synthetische Kraftstoffe künftig in größerem Maßstab eingesetzt werden können.
