Qualität ist der Schlüssel zur Kreislaufwirtschaft

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21. Mai 2026

3 Min

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Kreislaufwirtschaft

Immer mehr recycelte Produkte erreichen den Alltag der Menschen auch bei großen Veranstaltungen. Langfristig erfolgreich wird die Kreislaufwirtschaft jedoch nur sein, wenn recycelte Materialien qualitativ überzeugen.

Stellen Sie sich vor, dass Sie auf einem Konzert oder bei einem Fußballspiel sind: Um Sie herum halten Zehntausende von Menschen Becher in der Hand, öffnen Essensverpackungen und greifen nach Flaschen.

Es handelt sich um Produkte, die oft innerhalb weniger Minuten konsumiert werden, doch die ökologischen Auswirkungen dieser Verpackungen können über Jahrhunderte bestehen bleiben.  

In Europa werden inzwischen rund 40 Prozent der Kunststoffabfälle recycelt. Das ist ein vielversprechender Anfang. Dennoch reicht er nicht aus, um das weltweite Problem wachsender Abfallberge aus Kunststoffverpackungen in den Griff zu bekommen, insbesondere solange Verpackungen überwiegend aus Neuplastik hergestellt werden. Beispielsweise bestehen Plastikflaschen heute durchschnittlich nur zu 11,7 Prozent aus recycelten Materialien. Umso dringender braucht es kreislauffähige Alternativen, die dieselbe Qualität und Leistungsfähigkeit wie Neuplastik bieten.

Kunststoff hat sich in der Verpackungsindustrie aus gutem Grund durchgesetzt: Er hält Lebensmittel länger frisch, schützt vor Verunreinigungen und erfüllt strenge Sicherheitsanforderungen. Unterschiedliche Kunststoffarten — etwa PET für Wasserflaschen oder HDPE für Waschmittelbehälter — wurden gezielt für ihre jeweiligen Verwendungszwecke entwickelt und optimiert. 

Eine Studie ergab zudem, dass ein Ersatz durch alternative Materialien wie Aluminium und Glas enorme Effizienzverluste zur Folge hätte. Bei vergleichbaren Qualitätsstandards würden sich das Verpackungsgewicht um das 3,6-Fache, der Energieverbrauch um das 2,2-Fache und die Kohlendioxidemissionen um 2,7 Prozent erhöhen.

Damit die Kreislaufwirtschaft wirtschaftlich tragfähig und alltagstauglich werden kann, müssen recycelte Materialien nicht nur Lösungen für Abfallprobleme bieten, sondern auch dieselben Qualitäts-, Sicherheits- und Leistungsstandards wie Neuware erfüllen.

Für OMV liegt genau darin eine Chance: Wir wollen zeigen, dass innovative Recyclinglösungen und höchste Qualitätsansprüche miteinander vereinbar sind. 

Neue EU-Vorschriften zum Recyclinganteil in Verpackungen

Recycling ist bei Verpackungen nicht mehr optional. Die EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR) tritt ab Mitte 2026 in Kraft. Sie schreibt nicht nur vor, dass alle Verpackungen bis 2030 recycelbar sein müssen, sondern legt auch verbindliche Mindestanteile für recycelte Kunststoffe fest. Für typische Kunststoffflaschen bedeutet das beispielsweise einen Recyclinganteil von 30 Prozent bis 2030, der bis 2040 weiter steigen wird.

Die neuen Regelungen werden zweierlei bewirken: einen Anstieg der Recyclingquoten, da Kunststoffhersteller immer mehr recycelte Rohstoffe nachfragen, und einen steigenden Bedarf an hochwertigen kreislauffähigen Kunststoffen, die dieselben Leistungs- und Sicherheitsanforderungen wie neue Kunststoffe erfüllen.

Besonders profitieren werden Unternehmen, die frühzeitig in Infrastrukturen, Technologien und Partnerschaften investiert haben, um hochwertige Recyclingmaterialien im industriellen Maßstab herstellen zu können.

Aus Altkunststoffen entstehen hochwertige Rohstoffe für die Kreislaufwirtschaft

OMV arbeitet bereits seit 2009 an der ReOil® -Technologie für chemisches Recycling. Durch Pyrolyse werden gebrauchte Kunststoffe in ihre Grundbestandteile zerlegt. Diese können fossile Kohlenwasserstoffe bei der Herstellung neuer Kunststoffe ersetzen, ohne dass es zu Einbußen bei Qualität und Sicherheit kommt. Die OMV ReOil-Anlage ist ISCC PLUS-zertifiziert und garantiert die vollständige Rückverfolgbarkeit recycelter Materialien entlang der gesamten Lieferkette. Der hohe technische Wirkungsgrad und die verlässliche Rückverfolgbarkeit machen die nachhaltig erzeugten Grundchemikalien von OMV zu einer idealen Lösung für besonders anspruchsvolle Anwendungen. 

Recycelte Mehrwegbecher für den Eurovision Song Contest

Eine der wichtigsten Unterhaltungsshows der Welt stellte die Kreislaufwirtschaft in den Fokus: Der Eurovision Song Contest (ESC) 2026 in Wien wurde so konzipiert, dass nachhaltige Praktiken in allen Bereichen verankert wurden. Dazu brauchte es innovative Lösungen, die praxisnah und reibungslos funktionierten.

OMV und Borouge International setzten gemeinsam mit ARA, dem offiziellen Event Supplier, und Greiner Packaging genau das um: 100.000 wiederverwendbare Trinkbecher aus vollständig recycelten Materialien kamen beim ESC zum Einsatz. Im Anschluss wurden sie an wohltätige Organisationen gespendet und weiterverwendet.

Das Projekt zeigt: Im Idealfall erreichen unterschiedliche Akteure gemeinsam ein wichtiges Ziel.

ARA sortierte Kunststoffverpackungen und leitete sie zum Recycling weiter; OMV wandelte sie mithilfe der ReOil-Technologie in kreislauffähige Rohstoffe um; Borouge International produzierte daraus hochwertige Polymere; und Greiner verwendete diese Polymere zur Herstellung hochwertiger Mehrwegbecher.

Der Austrian Closed Loop zeigt, wie durch Kooperation innovative Kreislauflösungen ohne Qualitätseinbußen umgesetzt werden können.

Ohne Qualität keine funktionierende Kreislaufwirtschaft

Dieses Projekt zeigt beispielhaft, wie wir die essenziellen Dinge des Alltags neu erfinden und Abfallstoffe in wertvolle Rohstoffe verwandeln.  

Es zeigt aber auch: Eine tragfähige Kreislaufwirtschaft funktioniert nur, wenn alle Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette zusammenarbeiten, um hochwertige Produkte bereitzustellen und Recycling ohne Qualitätseinbußen zu ermöglichen.  
Hersteller brauchen hochwertige Materialien, die sich in bestehende Prozesse integrieren lassen und höchste Anforderungen an Leistung, Sicherheit und Qualität erfüllen. Nachhaltig produzierte Grundchemikalien leisten dazu einen entscheidenden Beitrag und unterstützen die Umsetzung einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft.

Mit den steigenden Anforderungen der EU-Verpackungsverordnung wird die Bedeutung hochwertiger Recyclinglösungen im kommenden Jahrzehnt und darüber hinaus weiter zunehmen.

Pragmatismus und branchenübergreifende Zusammenarbeit sind dabei entscheidend, um die Kreislaufwirtschaft erfolgreich voranzubringen.