Wie können wir industrielle Abläufe schnell und in großem Maßstab elektrifizieren? Unsere Erfahrung zeigt, wie es aussieht, wenn ehrgeizige Ziele Realität werden.
Seit Jahrzehnten ist der Zugang zu Energie der Antrieb für den industriellen Fortschritt. Heute prägt die Elektrifizierung zunehmend die nächste Entwicklungsphase.
Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) ist die Elektrifizierung von Verkehr, Gebäuden und Industrie einer der prägenden Trends der Energiewende – entscheidend für das Erreichen der Netto-Null-Ziele. Da Strom in diesen Sektoren zu einem immer wichtigeren Energieträger wird, finden Unternehmen neue Wege, um Emissionen zu reduzieren und gleichzeitig die Effizienz zu steigern sowie die Widerstandsfähigkeit zu stärken.
Bei OMV nimmt dieser Wandel bereits Gestalt an. Von elektrifizierten Kompressoren über elektrische Bohrtechnologien bis hin zur Integration erneuerbarer Energien trägt die Elektrifizierung dazu bei, langfristige Ambitionen in konkrete Maßnahmen umzusetzen.
Wie die Elektrifizierung den Wandel vorantreibt
Bei OMV haben wir uns zum Ziel gesetzt, die Scope-1- und Scope-2-Emissionen – die unseren eigenen Betrieb betreffen – bis 2030 um 30 % gegenüber dem Basisjahr 2019 zu senken. Dabei wird die Elektrifizierung neben Energieeffizienz und erneuerbaren Energien eine zentrale Rolle spielen.
Die Elektrifizierung industrieller Betriebsabläufe erfordert die Modernisierung der Infrastruktur, die Integration neuer Energiequellen und die Anpassung etablierter Prozesse an neue Technologien.
Eines der derzeit bedeutendsten Projekte ist die Modernisierung der Gaskompressorstation in Auersthal in Niederösterreich. Im Juli 2026 wurde eine Investition in Höhe von EUR 40 Millionen genehmigt, um gasturbinenbetriebene Kompressoren, von denen einige mehr als 40 Jahre alt sind, durch zwei elektrisch angetriebene Kompressoren zu ersetzen. Das Projekt, dessen Inbetriebnahme für die zweite Hälfte des Jahres 2028 geplant ist, soll die Scope-1-Emissionen um jährlich etwa 70.000 Tonnen CO₂e senken, was rund 30 % der derzeitigen betrieblichen Emissionen von OMV Austria entspricht.
Ein ähnliches Projekt läuft derzeit in einer der Gasspeicheranlagen der OMV Austria, wo ein zentraler Kompressor elektrifiziert wird. Das Projekt soll die Emissionen um etwa 28.000 Tonnen CO₂e pro Jahr senken und gleichzeitig die betriebliche Effizienz und Zuverlässigkeit verbessern.
Zusammen zeigen diese Projekte, wie die Elektrifizierung dazu beitragen kann, sogar bestehende Industrieanlagen zu modernisieren. Elektrische Kompressoren können ihren Stromverbrauch an den jeweiligen Betriebsbedarf anpassen. Dadurch können sie dazu beitragen, den Energieverbrauch und die Emissionen zu senken und gleichzeitig die Effizienz zu steigern. Außerdem können sie den Betrieb zuverlässiger machen, Lärm reduzieren und dazu beitragen, dass kritische Energieinfrastrukturen weiterhin funktionieren
Mit demselben Ansatz verändert sich nun auch die Art und Weise, wie wir bohren. Bei unserem Geothermieprojekt „deeep” in Wien Seestadt wurden die Bohrarbeiten erstmals vollständig elektrisch durchgeführt. Dazu wurde ein spezieller Netzanschluss genutzt und eine elektrische Bohranlage eingesetzt. Das Projekt verringert die logistische Komplexität, da der Kraftstofftransport wegfällt. Dadurch können sowohl die Energie- als auch die Betriebskosten gesenkt werden, während gleichzeitig eine zuverlässige Stromversorgung für komplexe Betriebsabläufe gewährleistet wird.
Warum Elektrifizierung einen Mehrwert schafft
Die Vorteile der Elektrifizierung gehen über die Reduzierung von Emissionen hinaus. Eine verbesserte Energieeffizienz, geringerer Wartungsaufwand und höhere Zuverlässigkeit können die Wettbewerbsfähigkeit über die gesamte Lebensdauer einer Anlage stärken.
Berislav Gašo, Executive Vice President Energy bei OMV, erklärt: „Industriemaschinen können Strom effizienter nutzen als andere Energiearten wie flüssige Brennstoffe, was zu Einsparungen bei den Betriebskosten über die gesamte Lebensdauer führt, die weit über die Anfangsinvestition hinausgehen. Elektrische Maschinen sind zudem in der Regel zuverlässiger und erfordern weniger Wartung als herkömmliche Systeme, das haben wir bei unseren Elektrifizierungsprojekten aus erster Hand erlebt.“
Die Vorteile gehen zudem über einzelne Anlagen hinaus. Laut einem Bericht von Eurelectric aus dem Jahr 2026 kann die Umstellung des industriellen Bedarfs von importierten fossilen Brennstoffen auf im Inland erzeugten Strom die Kostenstabilität auf Netzebene verbessern. Dies stärkt die Widerstandsfähigkeit und unterstützt die langfristige industrielle Wettbewerbsfähigkeit. Mit zunehmender Elektrifizierung trägt sie zu einem widerstandsfähigeren Energiesystem bei, sowohl für Unternehmen als auch für die Gesellschaft.
Elektrifizierung vorantreiben
Die Auswirkungen der Elektrifizierung sind am größten, wenn diese durch kohlenstoffärmere Energiequellen ermöglicht wird. Investitionen in die Stromerzeugung spielen daher eine wichtige Rolle bei der Maximierung der Emissionsminderungen und der Förderung einer langfristigen Elektrifizierung.
In Österreich versorgt die Photovoltaikanlage der OMV in Schönkirchen den Betrieb mit Strom aus erneuerbaren Energien und trägt damit zur Reduzierung der CO2-Intensität der Produktion bei.
Zudem steigert die OMV die Eigenstromerzeugung durch Gas-to-Power- (G2P) und Kraft-Wärme-Kopplungs- (KWK) Anlagen. Durch die Nutzung von Gas, das andernfalls abgefackelt würde, leisten diese Projekte einen Beitrag zur Emissionsminderung, zur Sicherung der Stromversorgung und zur Unterstützung der laufenden Elektrifizierungsbemühungen. Bei OMV Petrom sorgen mehr als 55 G2P- und KWK-Anlagen für eine installierte Leistung von rund 110 MW und tragen damit sowohl zur Betriebssicherheit als auch zu einer effizienteren Energienutzung bei.
Alle diese Investitionen unterstreichen, wie wichtig es ist, Elektrifizierung, Stromerzeugung und betriebliche Effizienz miteinander zu verknüpfen, um Emissionen zu senken und gleichzeitig ein starkes wirtschaftliches Fundament zu wahren.
Elektrifizierung in der Praxis
In allen Bereichen der OMV trägt die Elektrifizierung dazu bei, die Ziele der Energiewende in konkrete Maßnahmen umzusetzen. Dies reicht von Kompressorstationen und geothermischen Bohrprojekten bis hin zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien und zur Eigenstromerzeugung. All diese Initiativen veranschaulichen, wie die Elektrifizierung dazu beitragen kann, dass die Industrie ihre Emissionen senkt und gleichzeitig betriebliche Vorteile erschließt.
Angesichts des sich weltweit zunehmenden Elektrifizierungstrends werden integrierte Energiesysteme eine immer wichtigere Rolle bei der Gestaltung einer wettbewerbsfähigeren, sichereren und kohlenstoffärmeren Energiezukunft spielen.
