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Energiekonzern trifft Klimavolksbegehren – Ein Interview der Gegensätze?

Im Rahmen der "Zeit Themenwoche" kam es zu einem Panel, das so noch nie aufeinander getroffen ist: Rainer Seele, Vorstandsvorsitzender der OMV und für die Versorgung mit Öl und Gas zuständig und Katharina Rogenhofer, Initiatorin des Klimavolksbegehrens, das dieser Tage im österreichischen Parlament behandelt wird. Am Papier geborene Kontrahenten, zumindest politisch. Doch wieweit sind sie in der Sache tatsächlich auseinander?

Corinna Milborn: Beginnen wir damit, den gemeinsamen Boden festzulegen. Beide anerkennen die Klimakrise. Sie ziehen nur unterschiedliche Schlüsse daraus. Ich würde gerne fragen: Wie schlimm ist es? Und wie schnell muss man handeln?

Rainer Seele: Ich glaube, man sollte das anhand von rationalen Zahlen festmachen. Und die Klimakrise nicht zu sehr emotionalisieren. Insbesondere bin ich dagegen, dass man die Bevölkerung verängstigt. Wir sehen, dass die Klimakrise sich beschleunigt und wir reagieren müssen. Aber das ist eine globale Aufgabe, die sehr viel Kraft von der Wirtschaft aber auch von der Politik verlangt. Insbesondere, um diesen Wechsel zu finanzieren.

Katharina Rogenhofer: Ich finde es gut, dass wir gemeinsam die wissenschaftlichen Zahlen anerkennen. Das ist ganz wichtig. Weil ich glaube, die Klimakrise ist zu lange runtergespielt worden. Wir haben jetzt 30 Jahre nicht gehandelt. Die Klimakrise führt dazu, dass hunderte Millionen von Menschen von Armut betroffen sein werden, flüchten müssen, weil sie vor Ort nichts mehr anbauen können, oder weil ihre Insel überflutet wird. Diese Zahlen müssen wir uns einmal in den Kopf rufen. Die Klimakrise führt dazu, dass der Wald abstirbt, dass es Ernteausfälle gibt. Also es geht nicht um Angstmache, aber wir müssen die Dringlichkeit klarmachen.

Rainer Seele: Ich kann verstehen, dass man bestimmte Dinge emotionalisiert, damit man mehr Druck erzeugt. Das ist in Ordnung. Nur, was ich kritisiere ist, dass wir mit Vergangenheitsbewältigung nicht weiter kommen. Die Ziele, die man politisch gesetzt hat, sind alle nicht erreicht worden, da haben wir einen Konsens. Was ich aber einfordere ist, dass wir klare Konzepte ausarbeiten, wie wir dem entgegenwirken wollen. Es liegt riesiges Potenzial in Innovation und die kann nur die Wirtschaft vorantreiben und die Forschung. Man sollte nicht über eine Verbotskultur Veränderung erzwingen, sondern indem man Anreize schafft und den Weg fortschrittlich angeht.

Katharina Rogenhofer: Es stimmt ja nicht, dass es keine Pläne und Konzepte gibt. Die werden eben von uns eingefordert. Wir brauchen eine CO2 Budgetierung, analog zu unserem staatlichen Finanzbudget. Wir müssen raus aus Öl, Kohle, Gas. Und da müssen wir ganz klar sein, auch bei Investitionen in die Infrastruktur. Wir dürfen zum jetzigen Zeitpunkt keine Gasheizungen oder Ölheizungen mehr einbauen. Wir müssen die Mobilität soweit wie möglich auf den öffentlichen Verkehr verlagern. Mit jeder neu gebauten Gasleitung, mit jeder Ölheizung fesseln wir uns für 20-50 Jahre an die fossile Infrastruktur. Da sollten im Angesicht der Klimakrise umdenken.

Wir sehen, dass die Klimakrise sich beschleunigt und wir reagieren müssen. Aber das ist eine globale Aufgabe, die sehr viel Kraft von der Wirtschaft aber auch von der Politik verlangt. Insbesondere, um diesen Wechsel zu finanzieren.
Rainer Seele, Vorstandsvorsitzender und CEO, OMV Aktiengesellschaft

Corinna Milborn: Klimaaktivisten fordern, man soll kein bisschen Gas, kein Tröpfchen Öl mehr aus dem Boden heraus holen, sondern damit aufhören – jetzt sofort. Wie realistisch ist diese Forderung?

Rainer Seele: Es ist die Frage, was für eine Zeitachse man im Kopf hat. Wenn ich heute einen Kopf drücke und meine Raffinerie zusperre, dann können die Leute nicht mehr mit dem Auto fahren oder mit dem Flugzeug fliegen. Das ist unrealistisch. Aber von den großen Öl- und Gaskonzernen sagt heute auch keiner mehr, dass sie noch Milliarden in die Ölproduktion stecken. Die Erkenntnis ist angekommen, dass es sukzessive eine Veränderung geben wird. Wir sehen in den Prognosen, dass langfristig der Ölverbrauch nicht mehr so hoch sein wird, wie bei früheren Prognosen. Und dass wir eine Umstellung haben - hin zu Erdgas. Und das längerfristig insbesondere die erneuerbaren Energien einen wesentlichen Anteil haben werden.

Corinna Milborn: Und was bedeutet das in Jahren? Wie lange werden Sie noch Öl und Gas aus dem Boden holen?

Rainer Seele: Ich glaube viel länger, als wir alle glauben. Denn wir werden den Rohstoff auch weiter benötigen. Wir denken ja alle, dass das Öl immer nur in einem Auspuff landet. Aber wir haben eine ganz klare Strategie bei der OMV, dass wir zukünftig das Öl weniger verbrennen, sondern mehr veredeln. Wir können aus dem Erdöl hervorragende, hochwertige Produkte im Chemiebereich erzeugen, die wir brauchen um beispielsweise ein Elektroauto herzustellen oder ein iPhone. Für viele Anwendungsbereiche im Non-Fuels Bereich werden wir auch in Zukunft Öl benötigen.

Katharina Rogenhofer: Es fordert auch niemand, das bis morgen zu machen. Aber es muss uns klar sein, dass Öl, Kohle und Gas emissionsintensive Energiequellen sind. Wenn wir die verbrennen, dann kommt CO2 in die Atmosphäre und das wiederum heizt die Klimakrise an. Wir müssen langfristig aussteigen aus jeglicher Form von fossilen Brennstoffen. Die Emissionen müssen sich langfristig auf Null reduzieren, nicht nur weniger werden. Das ist ein bisschen so, als würden wir sagen, nur, weil wir Zigaretten mit Filter rauchen, ist das jetzt gesundheitsschonend. Bis 2040 national und international bis 2050 dürfen wir nur mehr so viel emittieren, wie zum Beispiel in Bäumen oder Mooren natürlich gebunden werden kann. Und das heißt, raus aus Öl, Kohle, Gas.

Es muss uns klar sein, dass Öl, Kohle und Gas emissionsintensive Energiequellen sind. Wenn wir die verbrennen, dann kommt CO2 in die Atmosphäre. Wir müssen langfristig aussteigen aus jeglicher Form von fossilen Brennstoffen.
Katharina Rogenhofer, Sprecherin Klimavolksbegehren

Corinna Milborn: Ist das realistisch, Herr Seele?

Rainer Seele: Wir dürfen den Verbraucher, den Kunden, die Gesellschaft hier nicht ausklammern. Wir denken immer, wir können Märkte und Verbraucherverhalten einfach abschalten und dann ist morgen alles anders. Wir müssen sicherstellen, dass der Verbraucher diese Veränderung nicht als einen Rückschritt wahrnimmt, sondern als Fortschritt. Und Fortschritt heißt, dass man auch darauf achten muss, dass bestimmte Lebensstandards beibehalten werden. Wir wollen uns nicht morgen, weil der Strom ausfällt, die Kerzen wieder auf den Tisch stellen müssen.

Katharina Rogenhofer: Die Klimawende hat nichts mit Rückschritt zu tun, vielmehr mit einer Vision der Zukunft, in der wir erneuerbare Energien für Strom und Wärme nutzen, Grünflächen vor Turboversiegelung Vorrang geben und bequem öffentlich von A nach B kommen. Wir führen vielleicht sogar ein gesünderes Leben, weil die Luftschadstoffe wegfallen, die bei der Verbrennung von Öl, Kohle und Gas entstehen.

Corinna Milborn: Das ist ja etwas, was die OMV unterscheidet von anderen großen Ölkonzernen. Die sagen, sie gehen in erneuerbare Energien. Sie sagen, Sie bleiben beim Öl, aber Sie gehen in die Veredelung.

Rainer Seele: Wir haben uns diese Frage sehr intensiv gestellt. Wir müssen uns ja fragen, inwiefern haben wir einen Wettbewerbsvorteil? Kann ich besonders gut Windräder bauen, oder Solar Panels? Da haben wir als OMV keinerlei Wettbewerbsvorteil. Aber wir haben festgestellt, dass wir schon jetzt einer der großen Chemieproduzenten in Europa sind. Dementsprechend werden wir uns in die Wertschöpfungsketten hineinbegeben und wesentlich stärker hochwertige Kunststoffe produzieren, die wir im Automobilbereich, in der Gesundheit und Ernährung benötigen. In diesem Bereich werden wir uns dann stärker engagieren.

Katharina Rogenhofer: Und ich sehe den Schritt in die richtige Richtung noch nicht. Wenn man sich die Zukunftsvision der OMV anschaut und die Zahlen durchrechnet, kommt man drauf, dass in Zukunft gleich viel Öl gefördert werden soll. Und sogar noch mehr Gas. Vielleicht geht einiges in die Veredelung. Aber ich habe nicht mitbekommen, dass Sie jetzt ganz aussteigen wollen aus Öl und Gas. Derweil sind es noch immer 87 Prozent Ihrer Produkte die, die gleich verbrannt werden, wo das CO2 in die Atmosphäre kommt. Und wenn wir bei der Veredlung sind ist halt fragwürdig, ob das eine Lösung ist oder ob uns das einfach weiter an den Rohstoff Öl fesselt. Plastik ist sowieso schon ein Umweltproblem. Ja, es gibt sicher Nischenlösungen, wenn man über medizinische Produkte redet. Aber ich glaube, es gibt zukunftsfähige Visionen. Zum Beispiel könnte man als großer Konzern auf Geothermie setzen. 

Corinna Milborn: Sie haben aber auch Verfahren, wo man aus CO2 wiederum Treibstoffe, Plastik oder Kunststoffe erzeugen kann. Ist das vielleicht eine Zukunftstechnologie?

Katharina Rogenhofer: Das machen ja Bäume auch jeden Tag - saugen CO2 aus der Luft und wir können aus Holz Häuser bauen zum Beispiel. Das ist eine super Carbon Capture and Storage Technologie. Aber es muss uns auch klar sein, dass diese Sachen alle noch in den Kinderschuhen stecken. Außerdem ist das Verfahren aus Öl Plastik zu machen und aus Plastik Treibstoffe enorm energieintensiv. Also warum setzen wir jetzt auf Technologien, wo wir noch nicht wissen, was rauskommt? Wo soll diese Energie denn herkommen? Auf der anderen Seite wissen wir, dass wir CO2 reduzieren müssen. Also schwenken wir doch um auf Erneuerbare, auf Geothermie. Und nicht auf Plastik das noch mehr Umweltverschmutzung herbei führt.

Rainer Seele: Wir sind da nicht in den Kinderschuhen, wir haben reife Technologien und ein gängiges Verfahren, um CO2 zu nutzen, um dann daraus entweder Kunststoffe oder beispielsweise synthetisches Kerosin machen zu können. Das ist neben Wasserstoff derzeit die einzige Perspektive, um auch den Ausstoß in der Luftfahrt zu reduzieren.

Corinna Milborn: Herzlichen Dank für den engagierten Austausch und diese Diskussion.

Zeit Themenwoche Österreich 2022

Das Interview fand im Rahmen der "Zeit Themenwoche Österreich 2022" statt und ist in gekürzter Form wiedergegeben.

Das vollständige Interview (in deutscher Sprache) ist hier verfügbar:
ZEIT Themenwoche Österreich 2022 | Interview mit Katharina Rogenhofer und Rainer Seele

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