Kontakt
OMV Webseiten
en | de
OMV Webseiten
OMV Websites
OMV www.omv.com Österreich www.omv.at Bulgarien www.omv.bg Tschech. Rep. www.omv.cz Deutschland www.omv.de Ungarn www.omv.hu Neuseeland www.omv.nz Norwegen www.omv.no Rumänien www.omv.ro Russland www.omv.ru Serbien www.omv.rs Slowenien www.omv.si Slowakei www.omv.sk Tunesien www.omv.tn Türkei www.omv.com.tr
OMV Gas Websites
OMV Gas www.omv-gas.com
OMV Petrom Websites
OMV Petrom www.omvpetrom.com
Schließen

Margarethe Ottillinger: das bewegte Leben der ersten OMV Vorstandsdirektorin

Margarethe Ottillinger zählt zu den wichtigsten Frauen der österreichischen Wirtschaftsgeschichte. Die Hintergründe ihrer Entführung nach dem Zweiten Weltkrieg blieben trotzdem lange im Dunkeln. Nun rekonstruieren ein aktuelles Buch und ein Spiel-Dokumentarfilm aus Österreich mit neu entdecktem russischem Archivmaterial die Lebensgeschichte der ersten OMV Vorstandsdirektorin.

Es ist der 5. November 1948. An der Ennsbrücke vor St. Valentin, Niederösterreich, wo die amerikanische in die sowjetische Besatzungszone übergeht, passiert ein Dienstwagen die Grenze. Darin sitzen der österreichische Minister für Vermögenssicherung und Wirtschaftsplanung, Peter Krauland, und die Spitzenbeamtin Margarethe Ottillinger – eine erfolgreiche junge Frau, damals 29 Jahre alt. Die beiden werden von sowjetischen Grenzbeamten aus dem Wagen geholt.

Ein spektakulärer Fall von Kidnapping

Peter Krauland darf weiterfahren, Margarethe Ottillinger wird aber verhaftet, zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt und in ein sowjetisches Arbeitslager verschleppt. Der Vorwurf: Spionage für die USA und Fluchthilfe für einen sowjetischen Ingenieur. Ihre Arbeit für den amerikanischen Marshallplan und die geplante Kürzung der Stahlzuteilungen für die sowjetischen Betriebe in Ostösterreich machen sie für die Sowjets verdächtig. „Es war der spektakulärste Fall von Kidnapping in der Nachkriegszeit“, sagt der Historiker Stefan Karner, der sich seit 1992 mit dem Schicksal von Margarethe Ottillinger beschäftigt.

Ursula Strauss als Margarethe Ottillinger

Was zu dem Zeitpunkt noch niemand weiß: Margarethe Ottillinger wird später als erste weibliche Vorstandsdirektorin der OMV (damals noch ÖMV) dem noch jungen österreichischen Öl- und Gasunternehmen zum Aufstieg verhelfen. „Willensstärke, extreme Intelligenz und ein großes moralisches Bewusstsein haben Margarethe Ottillinger das alles durchstehen und erreichen lassen“, sagt Ursula Strauss. Die österreichische Schauspielerin verkörpert im aktuellen deutschsprachigen Spiel-Dokumentarfilm des Österreichischen Rundfunks „Margarethe Ottillinger – Die Frau, die zu viel wusste“ die Rolle der erfolgreichen Managerin. Mithilfe von neuen Geheimdienstdokumenten, die in russischen Archiven vom Historiker Stefan Karner entdeckt wurden, wird im Film nun das rekonstruiert, was Ende der 1950er Jahre mit Margarethe Ottillinger geschah.

Aus dem Gulag an die Spitze der ÖMV

Nach ihrer Verhaftung erkrankt sie im Gefängnis schwer. Sieben Jahre verbringt sie im Gulag und in Gefängnissen der Sowjetunion. Doch obwohl es ihr schlecht geht, versucht sie, Schwächere zu unterstützen, erzählt Ursula Strauss. Dann, nach Abschluss des österreichischen Staatsvertrages, geht plötzlich alles sehr schnell: 1955 wird sie aus der Haft entlassen und kehrt nach Österreich zurück.

Der österreichische Bundeskanzler Julius Raab unterstützt ihren beruflichen Wiedereinstieg. Wenige Monate später beginnt Margarethe Ottillinger ihre Arbeit bei der ÖMV – und steigt dort sehr schnell auf. Nur ein Jahr später beruft man sie als erste Frau in den Vorstand. Dass aus der ÖMV ein österreichisches Parade-Unternehmen wurde, ist zu einem großen Teil auf Margarethe Ottillinger zurückzuführen. Unter anderem war sie es, die mit der UdSSR jene Verträge verhandelte, die ab 1968 erstmals über Österreich Gas in den Westen brachten. Außerdem half sie als Vorstandsdirektorin mit, dass die damalige ÖMV international bekannter wurde.

Margarethe Ottillinger war klug, frech und wissbegierig. Sie hat sich während ihrer Gefangenschaft die russische Sprache angeeignet und das Land in seiner Vielfalt verstanden. Dadurch konnte sie die Beziehungen der damaligen ÖMV mit der UdSSR stärken.

Margarethe Ottillinger behielt ihre Position bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1982, zehn Jahre später verstarb sie in Wien. „Ich habe gar nicht erst versucht, nachzuempfinden, was diese Frau alles durchgemacht hat, das wäre anmaßend“, sagt Ursula Strauss. „Aber es ist an der Zeit, dass die Menschen mehr von Margarethe Ottillinger erfahren, und ich hoffe, dass wir dazu einen Beitrag leisten können.“

Weitere spannende Details aus dem Leben von Margarethe Ottillinger finden Sie im kürzlich erschienenen Buch des Historikers Stefan Karner: „Im Kalten Krieg der Spionage. Margarethe Ottillinger in sowjetischer Haft 1948–1955.“

Margarethe Ottillinger
wurde am 6. Juni 1919 in Steinbach geboren, einem kleinen Dorf, das heute gleich nach der Wiener Landesgrenze liegt. Sie studierte an der Hochschule für Welthandel in Wien, 1941 promovierte sie zum Doktor der Handelswissenschaften. 1946 wurde sie Konsulentin für Wirtschaftsfragen beim österreichischen Bundesminister für Vermögenssicherung und Wirtschaftsplanung, Peter Krauland. 1949–1955 war sie im sowjetischen Gulag. 1956 begann sie ihre Karriere als Vorstandsdirektorin der ÖMV. Zehn Jahre nach ihrer Pensionierung verstarb sie 1992 in Wien.

Bildrechte: Philipp Horak, Stefan Karner, ORF/Epo Film/Petro Domenigg

Über den Blog Verhaltensregeln Kontakt
Alarm